Rheinlandpokal-Achtelfinale gegen Eintracht Trier | Vorbericht
3. November 2026
Eintracht Trier – als Tattoo auf der Wade, als Gegner vor der Brust
Morbach/Trier · Für Noah Lorenz wird es ein spezielles Wiedersehen, wenn er mit Morbach auf den SVE trifft. Der 22-Jährige ist wieder ein sportliches Schwergewicht, auch dank 17 Kilo weniger auf den Rippen.
Morbachs Goalgetter Noah Lorenz freut sich auf das Duell mit Eintracht Trier. Bei den Moselanern konnte er einst Regionalliga-Luft schnuppern.
Es war ein märchenhafter Start. So richtig kitschig. Im Januar 2025 war Stürmer Noah Lorenz von der FV Hunsrückhöhe Morbach zu Eintracht Trier zurückgekehrt. Zu jenem Verein, dessen Wappen er auf seiner rechten Wade tätowiert hat und bei dem er in der Jugend gespielt hat.
Lorenz, damals gerade 21 Jahre alt geworden, sollte sich perspektivisch für die Regionalliga-Mannschaft des SVE empfehlen und wurde aufgrund einer großen Personalnot gleich im ersten Spiel nach der Winterpause ins kalte Wasser geworfen. Lorenz fror im Spiel beim FC Gießen nicht, sondern traf als Startelfspieler in seinem ersten Regionalliga-Einsatz beim 3:0-Erfolg der Trierer gleich zum zwischenzeitlichen 2:0.
War das der Beginn einer wunderbaren Liaison zwischen Lorenz und seiner großen fußballerischen Liebe? Nicht ganz. Lorenz verbuchte im weiteren Saisonverlauf noch sieben Jokereinsätze in der ersten Herrenmannschaft. Nachdem (auch) die Vorbereitung auf die nächste Saison nicht nach seinen Vorstellungen verlief, brach er nach gut sieben Monaten bei der Eintracht die Zelte schon wieder ab und ging zurück nach Morbach.
Warum Lorenz schon nach sieben Monaten Trier wieder verließ
Hat er zu wenig Beharrlichkeit gezeigt? „Klar kann man sagen, ich hätte es zumindest mal noch bis zum Winter versuchen können. Aber ich habe leider gar keine Perspektive gesehen und musste im Training Rechtsverteidiger spielen, was nicht meine Position ist“, sagt Lorenz. „Und ich bin leider nicht so wie Maurice Wrusch, der sich – einst ebenfalls aus Morbach kommend – bei der Eintracht durchsetzen konnte. Er hat noch mal ein anderes Mindset als ich und ist sehr flexibel einsetzbar. Ich kann nur Stürmer, Zehner, eventuell an einem guten Tag auch mal Sechser. Mehr nicht.“
Jetzt kommt es zum Wiedersehen mit dem SVE. Im Achtelfinale des Rheinlandpokals empfangen die Hunsrücker die Moselaner an diesem Mittwoch (19 Uhr) auf dem Kunstrasen „Am Sportzentrum“ in Morbach.
„Bei der Auslosung in Bitburg habe ich im Vorfeld noch Späße mit Eintracht-Sportdirektor Daniel Hammel gemacht, wie es wohl wäre, wenn wir aufeinandertreffen würden. Nun wird’s Realität“, erzählt Lorenz. „Ich freue mich extrem darauf, viele bekannte Gesichter zu treffen. Etwa Noah Herber, mit dem ich seit der U 12 zusammengespielt habe. Oder Tim Sausen. Oder Jannis Held.“
Die Eintracht hat für ihn weiterhin einen großen Stellenwert: „Ich schaue jedes Spiel, auch wenn ich nicht mehr so oft im Stadion sein kann, weil es zeitlich nicht passt. Aber über den Anbieter Leagues kann ich die Partien streamen. Der Verein bedeutet mir immer noch sehr viel.“
Lorenz: „Wir haben eine brutale Qualität nach vorne“
Die FV Hunsrückhöhe hat derzeit einen Lauf. Die Fußballvereinigung gewann zuletzt 6:0 in Schweich und zuvor 4:0 gegen Tarforst. Überhaupt: Die Mannschaft ist eine Tormaschine. In neun seiner 14 Rheinlandliga-Partien in dieser Saison hat der aktuelle Tabellen-Zweite mindestens drei Treffer erzielt. „Wir haben eine brutale Qualität nach vorne und ein super Umschaltspiel. Das könnte die Eintracht das eine oder andere Mal vor ein Problem stellen“, ist Lorenz überzeugt, dessen persönliche Quoten auch wieder stimmen. Sieben Tore und acht Vorlagen in elf Partien sind ein Statement.
Auf seiner rechten Wade hat Noah Lorenz das Wappen von Eintracht Trier tätowiert.
Lorenz ist sportlich nach seinem Weggang aus Trier inzwischen wieder vollends in der Spur – auch die Nachwehen eines Bruchs des kleinen Fingers an der rechten Hand, weshalb er in Spielen noch einen Tapeverband trägt, halten ihn nicht auf. „Zwischenzeitlich hatte ich mich nach dem Abgang bei der Eintracht hängen lassen, zumal es dann auch bei uns in Morbach nicht so gut lief. Ich habe dann den Resetknopf gedrückt, meine Ernährung umgestellt und so bis jetzt 17 Kilo abgenommen. Ich bin wieder auf einem sehr guten Level“, sagt der 22-Jährige, der zum neuen Jahr eine Ausbildung zum Justizvollzugsbeamten in Trier startet.
Angetrieben haben Noah Lorenz – der nicht davon ausgeht, dass ihn jüngst aufgetretene leichte Oberschenkelprobleme fürs Match gegen Trier ausbremsen – auch mahnende und ernste Worte seines Vaters Marcel Lorenz, der bei der FV Hunsrückhöhe Morbach sportlicher Leiter ist.
Egal, wie die Pokalpartie nun am Mittwoch ausgeht – Noah Lorenz formuliert einen klaren Wunsch: „Ich hoffe, dass der Gewinner der Partie am Ende auch den Rheinlandpokal gewinnt.“
Regionalligist Eintracht Trier fährt mit Respekt zum Rheinlandliga-Zweiten FV Hunsrückhöhe Morbach. „Wir treffen auf eine sehr gefährliche Mannschaft, die im Sommer gut verstärkt worden ist und mit Selbstvertrauen antritt“, sagt SVE-Interimstrainer Daniel Wilde, der deshalb auch keine Komplettrotation plant. Ein paar Wechsel wird es dennoch geben – auch vor dem Hintergrund, dass auf einem Kunstrasen gespielt wird. Nach überstandener Krankheit steht Dario Gebuhr wieder zur Verfügung, Gianluca Pelzer muss noch pausieren. Dimitrios Mitakidis ist rot-gesperrt. Jonas Singer und Elia Dittrich sind wieder im Mannschaftstraining, aber laut Wilde zumindest für die Startelf in Morbach kein Thema.
Die FV Hunsrückhöhe Morbach kann mit breiter Brust auftreten. „Ich glaube, wir haben den besten Kader der letzten Jahre“, sagt der sportliche Leiter Marcel Lorenz. Nicht nur er – auch mehr als zehn Spieler haben eine Eintracht-Vergangenheit, unter anderem sein Sohn Noah Lorenz, Lukas Servatius, Lucas Abend oder auch Matthias Heck. „Für sie alle wird es ein besonderes Spiel. Sie wollen natürlich zeigen, dass sie in Trier gut ausgebildet worden sind und es vielleicht ein Fehler der Eintracht war, sie teilweise frühzeitig gehen zu lassen“, sagt Marcel Lorenz.
Trainer Pascal Meschak hofft, dass manch angeschlagene Akteure wie André Petry (leichte Rückenprobleme), Yannick Görgen (war krank) und Abend (leichte Knieprobleme) mitwirken können. Als Ex-Spieler weiß er, wie sich ein Triumph gegen Eintracht Trier anfühlt. Auf dem Weg zum Rheinlandpokalsieg 2015 warf er mit dem FSV Salmrohr den SVE in der dritten Runde mit 2:1 nach Verlängerung aus dem Wettbewerb.
Morbach und Trier standen sich letztmals in der zweiten Pokalrunde der Saison 2024/25 gegenüber – Trier siegte mit 3:0. Damals waren 734 Zuschauer dabei. Nun rechnet die FV mit mindestens 800 Besuchern. Anfang der Woche waren bereits 500 Tickets im Vorverkauf abgesetzt worden. Wer mit dem Auto kommt, wird vor Ort von Ordnern zu verfügbaren Parkplätzen geleitet. Fans der Eintracht werden dabei Richtung Schwimmbad gelotst.
Quelle: Volksfreund - FuPa.net


